Wolfsblut

Ich fürchte mich manchmal vor mir selbst. So sitze ich nun wieder in meiner Kammer und weiss, dass es bald an der Zeit sein wird, da es wieder passiert. Aggression ist stets wie ein Fass. Ein Beobachter wie ich musste also feststellen, wie Andere mit ihrem Fasse umgehen. Die einen Laden es immer voll mit Nitroglycerin und nur ein Funke reicht um es zu entzünden. Die anderen legen eine Lunte und lenken wieder andere hin sie zu entzünden um ihr Fass zu entleeren. Wir leben in einer Gesellschaft von Pulverfässern. Das sind die schlimmsten. Jahrelang sitzen sie in ihren Öden, spielen Videospiele und üben sich im Umgang mit schweren Waffen. Sie schleifen das Messer und sehen den Kindern der Nachbarn blutdürstig nach. Irgendwann, wenn alle Seile gerissen sind, nehmen sie sich eine Schrotflinte oder ein Maschinengewehr und rennen in eine Schule, oder eine Kirche und schießen alles über den Haufen, was ihnen unter die Flinte kommt. Am Ende setzen sie sich selbst den Gnadenschuss, um der Justiz aus dem Weg zu gehen. Oft hielten mich die Menschen für so jemanden.

Aber das war doch stets falsch gewesen. So ging ich zum Kung Fu und gründete die Freitagsgruppe. Ich gebe zu, einst als ich als junger Mann in diese Stadt zog lief mein Fass regelmäßig über. Ich wurde grundlos beleidigend. Doch die meisten meiner Gegner unterschätzen den Wahnsinn. Sie wissen nicht, welche Körperkraft er verleihen kann. Auch ich fürchte mich manchmal vor mir selbst. Sie wissen nicht mit welchen Mitteln ich sonst noch kämpfen kann.

Einmal musste ich, wieder einmal, vom Wahnsinn geplagt in ein Krankenhaus. Es ist schon Jahrzehnte her aber ich erinnere mich noch heute, was auf der Station passierte. Ich sagte den Pflegerinnen, ich hätte Tollwut. Man sagte mir, dass es das bei Menschen ja nicht gebe und es vollkommen unwahrscheinlich sei, dass ich wirklich darunter leide. Beim Anblick einer jungen indischen Pflegerin mit ihrem schweren Busen wurde ich toll. Sie fuhr sich immer langsam mit der Zunge über ihre roten Lippen, kaum hatte ich mal ausgesprochen. Zugleich herrschte in mir ein Fass voll Dynamit. Ich war gierig darauf jemanden zu töten, einen Mann vielleicht, eine Frau. Vielleicht ein Schaf, dass ich zappelnd verspeisen wollte.

Ich ging unter die Dusche, nachdem ich eine starke Zigarre geraucht hatte, um mich zu beruhigen. Im Falle des Wahnsinns hatte man Kalt-Warmduschen verwendet um die Patienten zu besänftigen. Ich labte mich an der klirrendem Wasser. Irgendwann wurde mir übel und ich setzte mich zu Boden. Übelkeit überkam meinen schwachen jungen Körper. Während ich auf dem Boden saß und siedend heißes Wasser auf meinen Kopf brauste übergab ich mich. Unmengen von weißem Schaum erbrach ich auf die trist weissen Fliesen. Das hatte ich nicht erwartet.

Nach dem Erbrechen verschwand meine Tollheit sehr schnell und bald wurde ich zurück in die Freiheit geschickt. Der Schaum war bei Vollmond gekommen

Der nächste Vollmond kam, und wieder kam einer und immer wieder. Zunächst wurde meine Körperbehaarung dichter, der Bart kam, und Brust und rücken waren bald geziert vorerst vom Flaum später aber durch dichte Wolle.

Eines Nachts ging ich bei Vollmond spazieren. Eine Frau sprach mich an, eine ungefähr Frau mittleren alters, vielleicht hatte sie Kinder, vielleicht auch nicht aber sie war äußerst attraktiv. Ich tat, was ein Mann da so tut, wir kamen ins Gespräch. Bald stellte sich heraus, dass sie mit dem Bus nach Hause fahren wollte, und ich bot mich an, sie zu begleiten.

Bei ihr in der Wohnung küsste sie mich intensiv und ging gleich zur Sache. Es dauerte keine zwanzig Minuten, das Spiel und wir lagen Löffelchen nebeneinander. Doch meine Tollheit bei diesem Vollmond war härter denn je. Ich merkte dass etwas mit mir passierte. Meine Zähne bleckte ich immer wieder und ich roch sie, ich roch ihr Blut. Es roch appetitlich

Ich wurde wild und wir stritten über irgendwas. Ich war nicht mehr Herr meiner Selbst, ich wusste damals die Tollwut bekommen zu haben und nun war sie wieder da. Sie war stärker als je zuvor. Ich schlug ihr mit der bloßen Faust gegen den Kopf. Wieder und wieder, immer wieder. Dann nahm ich mein Taschenmesser, als sie bewusstlos auf dem Boden lag. Ich schlug einen heftigen Schlag direkt durch die Schädelplatte in ihr Hirn. Blut tropfte aus dem Kopf der Sterbenden. Ich schlug wieder und wieder mit dem Messer gegen ihr Kopf. Das Gehrinblut entwich suppig. Immer mehr Blut tropfte. Das Blut machte mich wahnsinnig und toll. Ich fing an es zu lecken. Dann schnitt ich ihr das Herz aus der Brust. Ich behandelte sie nicht mehr wie einen Menschen nur noch wie ein Stück Vieh. Als ich in ihr warmes Herz biss, mir einen dicken Klumpen Fleisch abriss und ihr Adrenalin in meinen Körper drang und mich noch toller machte wurde es schlimmer. Ich schlug ihren Körper trat ihr mehrfach ins Becken. Riss Fleisch aus ihr raus, mit den bloßen Zähnen, fraß es. Ich fraß wie ein Wolf der wochenlang keine Fleisch gesehn hatte. Ich riss ihr die Finger ab. Ich kaute ihre zarten Fingerknochen mit den Zähnen durch. Ihr Fleisch und Blut, ihre Organe, ihr Herz und ihr Gehirn schienen mir Kraft zu geben. Ich war stark wie nie zuvor. Ich wurde immer stärker und blieb in ihrer Wohnung.

Sie war alleinstehend und niemand kam zum Besuch. Ich blieb ein paar Tage fraß viel, packte die Reste in Tüten und Säcke. Ich wischte die Wohnung sauber und löschte jegliche Spur meiner Anwesenheit. Als der Mond abließ verließ ich ihre Wohnung. Ich packte die Tüten und Säcke in ihr Auto, nahm ihren Schlüssel und fuhr davon.

Ich bin nicht einmal traurig über das was passiert war. Ich war infiziert mit Lykanthropie. Ich fühlte mich göttlich.