Es lebe der Quant

Da sitzt du nun vor deinem Computer an einem Samstagabend. Was wäre zu tun? Raus gehen, in die Disko, eine Nacht durchtanzen, vielleicht einen Trip einwerfen, um zwölf meinen Komfortcafe trinken, auf Alkohol schimpfen und reizüberflutet mittags um zwölf ins Bett, sich einen auf das erlebte runterholen, abends noch ein paar Fetzen Marx, Nietzsche oder Fallada lesen um sich wieder schlafen zu legen und sich dabei zu fragen, welch ein skurriles Leben man doch führt. Diese Zeit in der wir Leben ist etwas komplett neues, etwas Großes, wir wissen alle, die alte Welt wird untergehen, der Planet kann sich so nicht mehr weiterdrehen. In der Bushaltestelle habe ich wieder einmal einen vollen Beutel Tabak gefunden, obwohl ich seit Monaten nicht mehr rauche, jetzt eine schöne starke Zigarette und einen Kaffee, Cafe, mit Doppel E und Doppel F, was auch immer gerade hip ist.

Und da sind wir schon wieder voll drin, in einer hippen manischen Welt, voller bunter Pillen und Wunderkräuter, morgens ein zwei Antidepressiva, ein paar Tassen Kaffee und natürlich einen halben Liter warmes Wasser, dann zur Uni und es heißt büffeln büffeln büffeln. Jeder der im Seminar sitzt fragt sich im Innersten, mit welchem Nonsinns man doch vier Stunden Zeit füllen kann, aber im Ende, im Nachhinein, wenn die Sitzung erst einmal geschafft, stellt man gemeinsam fest, dass das alles doch irgendwie interessant ist, man gerne dort war und die Wissenschaft mag.

Ja in der Brille des Nachhineins, so wie in der Verblendung der Ungeduld und der Vorfreude sieht manch trockene Aufgabe doch viel bunter und schillernder aus. Wenn meine Generation sich mit der der Eltern vergleicht, muss man sagen, dass die vergangenen einen eher einheitlichen Tagesaublauf, aus Aufstehen, Arbeit, Essen, Fernsehen und Schlafen hatte, während man heute auf solch tristes Tageswerk herabschaut und sich denke, dass man nur ein Leben hat, oder hätte, Konjunktiv, denn was weiß man schon.

Nach dem Aufwachen liege ich und starre die Decke an. Es ist hoffnungslos. Dann jagt dein Arzt dich in eine Klinik und die Ärzte dort wieder raus, du bist wieder auf Antidepressiva, es ist geil, ja das Leben ist geil, du bist aufgedreht und kannst nicht schlafen, du bist fast manisch, machst Nächte durch endlos viel Alkohol fließt, du bekommst im Club ein paar Tabletten mit lächelnden Gesichtern oder einem X drauf angeboten, die dich ein paar Tage fliegen lassen.

Danach kommt der große Absturz, so denken unsere Alle. Aber so ist es nicht. Der Absturz erfolgt dann, wenn ich mich in die Gänge eines mir vorgegebenen Lebens zwängen muss, ohne eine klare Begründung dahinter, warum oder weshalb ich meine 40 Stunden runterbrechen soll. Hat es Moses in seinen Gesetztafeln von Gott herab gesand bekommen? Hat man mich wie einen Hamster in ein Rad gesteckt, dass sich immer wieder dreht und dreht, dabei fällt Goldstaub herab, aber ich bin nicht derjenige der ihn auffegen und einschmelzen darf, es ist derjenige für den ich arbeite, der dem die Kuchenfabrik gehört. Marx nennt ihn den Kapitalisten, dem ich Mehrwert schufte.

Mehr Mehr Mehr, so ging es gut fünfhundert Jahre, dabei haben sie nichts weiter an die Wand gefahren als diesen Planeten Erde, der unser aller Heimat ist. Und daran soll ich mit arbeiten? Ich soll eure Turbinen antreiben, für einen Hungerlohn, damit ich meine eigene Heimat und die Welt aus der ich komme zerstöre? Ihr fragt uns warum wir in einer depressiven Generation leben. Warum hungern sich die Skinny Bitches auf Modelmaße und die Bordis schlitzen sich die Arme auf, bis ihr Körper aus nichts mehr als Narben besteht? Ihr reduziert die Frauen auf ihre Brüste und den Pflaum zwischen ihren Beinen, und wir alle machen dabei mit. All diese Phänomene sind seit Jahrzehnten bekannt, aber keiner ist gewillt etwas daran zu ändern, keine Revolution durch den Menschen, nun denn, die Natur wird uns allen zeigen wo die Grenzen sind. Aber ihr seht nur meine Leistung, den von mir erzeugten Mehrwehrt, den ihr denkt den ich euch schulde.

Dann sehe ich auf die Börse, ein Freund setzte ein paar Scheine, Lohn eines Jahres Arbeit kam zurück nur durch ein paar Klicks. Die Welt ist verzerrt, der Mensch ist aus seiner Rolle als vernunft-orientiertes Tier gefallen und sehnt sich zurück nach dem Paradies, aus dem er einst entflohen ist. Aber eines ist doch sicher, wir haben, hatten und werden die Möglichkeit stets haben uns eine paradisische Welt zu schaffen. Sie ist schon hier in meinem Kopf. Ich bin bereits in der neuen Dimension angekommen und mein Gehirn brennt vor Energie.

Huch und nun? Jetzt falle ich wieder wie von einer Treppe, wie im Rythmus der Musik. Ich liege seit fünfzehn Stunden im Bett und die Welt ist scheiße, ich lese Bücher, 3 Seiten, alles langweilt mich. Ich gehe aufs Klo, sehe auf meine Ausscheidungen, ekle mich vor mir selbst, fresse Brot und Teig wie ein Schwein und lege mich wieder hin. Ich schalte den Fernseher an, Frauen, leicht bekleidet, Brüste, Sexagitation, das verkauft sich. Ich verspüre die Lust auf harte Drogen, denke an Zyiankali um all dem ein Ende zu setzen, aber das ist es nicht. Das will ich nicht. Denn vielleicht in eins zwei Wochen ist wieder alles anders und ich mache vier mal die Woche Sport bis zum umfallen, nehme fünf Kilo ab und schleppe neue Beute nach Hause.

Dann macht das Leben wieder Spaß und ist besser als bisher, die Texte fließen und ich haue in die Tasten. Des Klappern der Tastaturtasten kitzelt meine Dopamindrüsen. Ich schaffe tausendfünfhundert Anschläge in zehn Minuten, fast fehlerfrei. Meine Geschäfte Laufen, die Kasse ist voller Geld, ich erwerbe Uhren und Schmuck. Gold, Silber und Platin, ja das gefällt mir. Ich bin Kaufmann, das habt ihr aus mir gemacht und das ist es was ich tue, ich kaufe und verkaufe, ich habe in der Berufsschule gut aufgepasst und weiß wie es läuft. Aber was ich mir nicht kaufen kann ist meine Gesundheit. Die Leistungswelt hat mein Gehirn, meine Dopamindrüsen, mein Adrenalin und Serotonin zerschossen. Aber ich weiß, es geht weiter, ich weiß dass es das nicht gibt. Die Psychologie, all diese Bilder und Konstrukte die sie von unseren Geistern geschaffen haben, basieren auf der Annahme das es sich bei der Psyche um fixe Konstrukte handelt, die sich wie Zahlen katalogisieren lassen. Nichts davon ist war. Die Korrelationen stimmen nicht, der Faktor X ist zu gigantisch, niemand kann Verhalten vorhersagen. Niemand kann wissen ob ich morgen gut drauf bin oder schlecht. Niemand außer ich. Gott weiß das, scheiß auf den Determinismus und auf Kausalität. Es lebe der Quant, der Würfel und das unendliche Universum. Im Kleinsten wie im Größten. Denn Gott sprach es werde Licht und nichts ist da als Licht.